Unfall mit 9 Jahre

Mit neun Jahren hatte Dennis sein erstes schlimmes Erlebnis.

 

Ich hatte ein wunderschönes Benzinfeuerzeug als Verzierung auf meinem Schreibtisch stehen, auf das er schon immer ein Auge geworfen hatte. Es kam wie es kommen musste, er hat es von mir geschenkt bekommen, ich konnte es ihm nicht ausschlagen, habe aber die Watte und den Docht aus dem Feuerzeug rausgenommen. Mit diesem Feuerzeug ist er mit einem Freund in ein Geschäft und diese Leute waren so nett und haben dem damaligen 9 jährigen Dennis das Feuerzeug gefüllt und dafür gesorgt das dieses Feuerzeug auch richtig geht, die Flasche mit dem Benzin haben sie Ihm verkauft. Er ging dann mit seinem Freund auf einen Spielplatz um dort Schnee zu schmelzen. Was er nicht bemerkt hatte, dass seine Feuerzeugbenzinflasche nicht richtig verschlossen war und diese ausgelaufen ist. Seine Jacke war voll getränkt mit diesem Feuerzeugbenzin und als er das Feuerzeug benutzte, ist er regelrecht explodiert, er stand in Flammen. Sein Freund ist so erschrocken, dass er nachhause gelaufen ist und seinen Eltern noch nicht mal von diesem Vorfall erzählt hat.



Dennis hatte an diesem Tag Glück im Unglück, denn zu diesem Zeitpunkt als Dennis in Flammen aufging, kam ein Schutzengel vorbei, der diesen Weg an diesem Tag das erst mal benutzt hatte. Dieser Mann eilte zu Dennis und hat Ihm alle Kleidungsstücke ausgezogen, wie sich im Nachhinein herausgestellt hatte, dieser Mann hat alles richtig gemacht. Diese mit Feuerzeugbenzin voll getränkte Jacke kann man nicht löschen, wenn sie einmal brennt. Dieser Mann hatte zum Glück auch noch gute Lederhandschuhe an, sonst wäre das Ausziehen der Kleider überhaupt nicht möglich gewesen. Nachdem Dennis nur noch mit der Unterhose am Unfallort stand wurde niemand bewusst wie schlimm die Verbrennungen waren. Dennis wurde zu Bekannten von uns gefahren, wo aber nur die Tochter zuhause war. Es wurde versucht meine Frau in unserer Firma anzurufen was die Kinder aber nicht auf die Reihe gebracht haben. Bei meiner Frau klingelte jedes Mal das Telefon und es war keiner dran. Dennis wurde dann zu weiteren Bekannten von uns gefahren, die den Ernst der Lage sofort erkannten und den Notarzt sowie uns in der Firma verständigt haben. Ulrike war regungslos im Büro als Sie den Anruf entgegen genommen hat. Ich bin dann sofort zu Dennis gefahren, der in Unterhosen auf der Straße gestanden hat und sich nicht bewegen konnte. Er war bei unseren Bekannten im Wohnzimmer vor dem Kamin, weil er nur in Unterhosen bekleidet war, die Wärme konnte er aber vor Schmerzen nicht ertragen.

 

Ich werde nie das Gesicht vergessen wie ich dort angekommen bin und meinem Sohn ins Gesicht gesehen habe. Es war Angst, dass ich mit ihm schimpfe und es waren die Schmerzen, die er hatte. Man konnte Ihn nicht angreifen, jede Berührung müssen unglaubliche Schmerzen verursacht haben. Habe ihm dann auch zu verstehen gegeben, dass ich nicht böse bin, sondern dass ich ihn lieb habe und möchte, dass er keine Schmerzen mehr ertragen muss, dass der Krankenwagen gleich kommen würde und diese Leute ihm helfen würden. Zum Glück kam auch dann der Notarztwagen um Dennis die nötige Versorgung zu geben. Er wurde sofort in eine Folie gewickelt und Infusionen bekommen, denn der Zustand war ernster als wir annehmen konnten. Es durfte keiner mehr in den Notarztwagen da dort an Dennis intensive gearbeitet wurde, in diesem Moment wurde mir klar das diese Verbrennungen sehr ernst sind. Nach langem telefonieren haben die Leute im Notarztwagen dann einen Platz in der Horst-Schmitt-Klinik in Wiesbaden bekommen. Aus heutiger Sicht war das das beste was unserem Sohn passieren konnte, ich möchte dies Klinik an dieser Stelle hervorheben mit dem Prädikat „einzigartig“, komme aber darauf nochmals zurück.

 

Ein Freund hat mich direkt nach dem Dennis abtransportiert wurde, nach Wiesbaden gefahren. Was mir alles bis wir in der Klinik waren, durch den Kopf gegangen ist, würde diese Seite hier sprengen.

In der Klinik angekommen, ging das Warten los bis wir über den Zustand von Dennis etwas erfahren haben. Es wurde darüber gesprochen, dass er nach Friedrichshafen geflogen werden sollte, wofür aber keiner die Verantwortung übernehmen konnte und man hat sich entschieden, dass Dennis in der Klinik bleibt. Mittlerweile ist Ulrike auch mit einem Mitarbeiter unserer Firma angekommen und wir haben zu viert gewartet bis wir mehr über den Zustand von Dennis erfahren dürfen.

 

Nach ca. 2 Std. konnten Ulrike und ich zu Dennis in die Intensivstation, er lag dort in einem Bett mit Gittern wo die Arme am Bett festgebunden waren damit er sich an den Wunden nicht kratzen konnte. Man bemerkte, dass er durch Medikamente ruhig gestellt wurde, auch wegen diesen unerträglichen Schmerzen. Er tat mir so leid, dass wir Ihm nicht helfen konnten, wir konnten nur bei ihm sein, damit er nicht das Gefühl hat nicht alleine zu sein. Die Ärzte klärten uns über den ernsten Zustand von Ihm auf. Es wurden durch die enormen Verbrennungen weitere Organe in Mitleidenschaft gezogen.

 

Die nächsten 3 Tage waren dann sehr kritisch, Ulrike und ich waren abwechselnd permanent bei Dennis, er war für die nächsten 4 Wochen nie ohne uns. Die ersten Nächte waren sehr schwer, sich an die 37 ˚C mit Kleidung und Mundschutz zu gewöhnen. Wie vorher schon erwähnt, hatte Dennis Glück, dass ein Platz von fünf frei war und er dort behandelt werden konnte. Seine Wunden wurden offen behandelt und wir sind eingeweiht und angelernt worden, dass wir ihn jede Stunde mit einer Spezialcreme behandelt haben, damit die Haut nicht austrocknet. Sowie man die Creme aufgebracht hat ist sie schon verlaufen, wie auf einer heißen Kochplatte. Vor allem die Nächte waren nicht so einfach, denn ich habe neben ihm auf einem Stuhl gesessen und seine Hand gehalten.

 

Wenn ich wirklich einmal eingeschlafen war, hatten wir beide ausgemacht, dass er eins zwei oder dreimal die Hand drückt und dann wusste ich welche Bedürfnisse anstehen. Es war aber schon schwer auf dem Stuhl zu Schlafen, denn die andern Kinder die auch schwere Verbrennungen hatten und um die ich mich nach meinen Möglichkeiten auch gekümmert habe. Es war schon teilweise sehr hektisch in der Nacht und möchte hier nochmals auf die Klinik eingehen. Das komplette Personal in dieser Abteilung war schon bemerkenswert und vor allem die Geduld die dort aufgebracht werden musste für diese verletzten Kinder. Ich habe über die komplette Zeit die Dennis dort verbringen musste, kein Arzt und keine Schwester mit schlechter Laune gesehen und das war für mich wunderbar zu sehen, dass Kinder dort sehr gut aufgehoben sind. Nach drei Tagen hatte Dennis erstmal das Schlimmste überstanden und jetzt mussten die Wunden nur noch heilen. Dennis wurde jeden Morgen gebadet und danach mehr oder weniger die Haut, die sich neu gebildet hatte mit der Pinzette abgezogen. Dies konnte ich nicht ertragen und auf keinen Fall mit ansehen. Ich bin mir damals schon sicher gewesen, dass Dennis dies gespürt hat und er mich immer nach dem Baden zum Frühstück geschickt hat. Wir beide waren halt ein tolles Team. Als ich nach meinem Frühstück zurückgekommen bin hat er mir immer exakt erzählt was in meiner Abwesenheit alles gemacht wurde. Er war sehr tapfer was er in den kommenden 4 Wochen alles mitmachen musste. Wir sind uns in diese Zeit noch viel näher gekommen als es vorher schon war, er hat gespürt wie wir innerhalb der Familie zusammen halten und dass wir ihn sehr lieben. Was immer etwas Erklärungsbedarf erforderte, dass seine Schwester und die Oma nicht kommen konnten/durften, nur Mutti und Papa durften zu ihm in diesen speziellen Raum. Für Tina war es auch sehr schlimm das sie nicht zu Ihrem Bruder durfte. Die Heilung ist dann ziemlich planmäßig vorangeschritten, so dass wir hoffen konnten, dass er zu seiner ersten heiligen Kommunion gehen konnte. Es war alles sehr knapp aber er hat es geschafft diesen ereignisreichen Tag in diesem Jahr zu erleben. Für die nächsten Jahre musste Dennis ein spezielles Korsett anziehen das jeden Monat neu angefertigt werden musste, um die Narben am Körper etwas in den Griff zu bekommen. Dies hat er ohne wenn und aber durchgezogen, wenn man bedenkt was das im Sommer bedeutet hat. Auf jeden Fall hat er diesen schweren Unfall ohne in der Zukunft Albträume oder ähnliches zu haben, überstanden. Im Gegenteil, die darauf folgende Kommunion war Dennis der erste, der in der Kirche an der Kerze in der Flamme gespielt hat. 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Harry Roos • 2005 - 2018 / Dennis Roos