Unser Sohn und Bruder wir vermissen Dich!

Ich hatte am 10.08.2005 im Büro eine Besprechung von 10.00 – 14.30 Uhr. Danach bin ich zu meiner Frau wollte ihr über den Erfolg des Gespräches berichten, als unser Freund Gerd ins Büro kam sagte er, dass auf der B 519 ein schwerer Unfall passiert sein musste es wäre alles gesperrt. Daraufhin habe ich Ulrike gesagt, sie solle doch mal Dennis anrufen, ob bei ihm alles in Ordnung sei.

 

Der Hintergrund für unser Verhalten war, dass wir, als das mit seinem Brandunfall passiert war, und jedes Mal, wenn ich eine Polizei- oder Krankenwagensirene gehört haben, sofort versucht habe unseren Dennis zu erreichen, ob alles in Ordnung wäre.

Ich habe dann auch versucht Dennis auf seinem Handy zu erreichen, was aber nicht möglich war. Ich bin so unruhig geworden, dass ich mich aufgemacht habe um Dennis zu suchen. Es gibt einen Feldweg, den ich benutzt habe um auf die B 519 zu kommen, bin aber am Ende dieses Feldweges links auf die B 519 abgebogen in Richtung Kelkheim. Von dort aus konnte ich nicht mehr wenden, da hier eine Vollsperrung war und bin nach Hause gefahren. Als ich die Tür zu unserem Hof geöffnet habe stand das Auto von Dennis, mit dem er die Nacht zuvor mit seiner Freundin Jenny aus Paris von einem Kurzurlaub zurück gekommen ist. Der Staubsauger und weitere Utensilien lagen rund um das Auto, so dachte ich, dass er sich mit Sicherheit zum Schlafen gelegt hatte. Ich bin hoch in sein Zimmer musste aber feststellen, dass er nicht da war. Habe dann weitere Versuche unternommen, ihn auf seinem Handy zu erreichen, was nicht möglich war.

 

Danach habe ich mit Ulrike telefoniert, ob sich Dennis bei ihr oder Jenny gemeldet habe. Ich erzählte ihr, dass ich zu Hause war nach ihm gesucht habe. Ulrike sagte mir, dass sie es jetzt unzählige Male versucht habe, ihn auf seinem Handy zu erreichen mit dem gleichen Erfolg wie ich, er war nicht erreichbar. Mittlerweile hatte Ulrike Gott und die Welt angerufen, ob jemand weiß, wo Dennis ist. Auch Jenny hat sich inzwischen Gedanken gemacht, wo er sein könnte, denn Dennis wollte sie gegen 15.00 Uhr abholen und einen Freund besuchen, der Vater geworden ist.

 

Es war mittlerweile unerträglich nichts von ihm zu hören, bin dann diesen Feldweg nochmals zur B 519 gefahren, nur am Ende dann rechts abgebogen in Richtung Hofheim. Es war alles mucks Mäusen still, keine Fahrzeuge auf dieser Straße, und habe mich dann sehr langsam in Richtung Hofheim bewegt. Ich bin über eine Kuppe gefahren, wo man die Unfallstelle schon von weitem sehen konnte. Es war alles mit einem rot-weißen Band abgesperrt. Etwa 50 m nach einer Bushaltestelle habe ich mein Auto abgestellt. Dort stand ein BMW und am Steuer war ein Mann, den ich fragte, ob er wisse, was da vorn passiert sei und ob ein Motorradfahrer daran beteiligt war. Dieser Mann war so verstört, dass er mir überhaupt keine richtige Antwort geben konnte, warum wusste ich nicht.

 

Habe mir dann Mut gefasst bin langsam zur Unfallstelle vorgelaufen. Von weitem konnte ich sehen, dass man einen leblosen Körper auf eine Bahre gelegt hatte und davor stand eine Limousine zum Abtransport. Als ich so ziemlich genau an der Stelle angekommen war, wo der Zusammenstoß gewesen sein musste, kam mir ein Polizeibeamter entgegen und fragte, was ich hier wolle. In diesem Augenblick habe ich rechts im Feld ein Teil gesehen, was zum Motorrad von unserem Dennis gehören könnte. Daraufhin war ich eine ganze Weile sprachlos, bis ich dem Polizeibeamten sagen konnte, dass ich einen Sohn habe, der ein Motorrad fährt und ich ihn suche. Der Polizeibeamte hat mich nach meinem Namen gefragt, den ich ihm dann gesagt habe.

Daraufhin kam der schlimmste Satz, den jemals jemand zu mir gesagt hat.

 

Herr Roos, ich muss Ihnen eine traurige Mitteilung machen, Ihr Sohn war an diesem Unfall beteiligt und er ist tot.“

 

Für mich ist die ganze Welt zusammengebrochen, ich habe geschrien und war einige Zeit nicht mehr ansprechbar!

 

Nicht weit von mir entfernt lag mein Sohn, er war tot, den man auf eine Bahre gelegt und zugedeckt hatte. Als die Bare angehoben wurde, fiel sein Arm runter, als wenn er mir ein letztes Mal winken wollte.

 

Es war schrecklich zu sehen, wie sein Arm einfach genommen und unter das Tuch gesteckt wurde bis er liegen geblieben ist. Diese Leute machen ja auch nur ihren Job, aber für einen Vater, der dies mit ansehen muss, ist es unbeschreiblich schrecklich.

Ich konnte nur auf einer Stelle stehen bleiben habe regungslos zu meinem Sohn gestarrt. In diesem Moment ist mir so viel durch den Kopf gegangen, was ich hier gar nicht wider geben kann.

 

Nach einer ganzen Weile bin ich wieder zu mir gekommen und habe an Ulrike und Tina gedacht, wie soll ich es den beiden beibringen. Ich wollte jetzt so schnell wie möglich zu meiner Frau ins Büro, damit sie es nicht von einer anderen Seite erfährt und ich nicht wusste, wie sie das verkraftet, ich hatte sehr viel Angst um sie. Habe mein Handy ausgeschaltet, denn am Telefon hätte ich mit ihr nicht sprechen können, da hätte sie sofort gewusst, dass etwas schreckliches passiert sein muss. Der Polizeibeamte eröffnete mir, dass er mich nicht in diesem Zustand fahren lassen könne, und ich müsste warten bis ein medizinischer Beistand kommt, der mich begleiten würde. Der Polizeibeamte war noch sehr jung, ich schätzte ihn so um die 30 Jahre, aber ich muss sagen, entweder sind diese Beamte auf solche Situationen geschult, oder dieser junge Mann hatte etwas, was nicht jeder hat. Er hat auf mich sehr beruhigend gewirkt, er hat mich in einer tollen Art und Weise betreut. Es kam mir aber unendlich vor, bis die Personen, die mich begleiten sollten, da waren. Es waren die Notärzte, die an den Unfallort von Dennis gerufen wurden. Eine Frau, die mit mir ins Büro gefahren ist, war für ihr junges Alter sehr verständnisvoll. Der Notarztwagen ist hinter uns her gefahren, so dass für Ulrike der nötige Beistand gewährleistet war. Ich wusste nicht, wie Ulrike diese Nachricht aufnehmen und reagieren würde.

 

Dieser Gang ins Büro zu meiner Frau war genauso schwer oder so schlimm, wie die Erkenntnis am Unfallort, dass unser Sohn nicht mehr da war. Die Notärzte haben vor unserem Büro gewartet, ich bin zur Ulrike. Sie hat mich bereits erwartet, da ich nach einer gewissen Zeit auch nicht mehr auf dem Handy erreichbar war.

 

Ich musste ihr die schreckliche Nachricht überbringen, dass unser Sohn bei diesem Unfall ums Leben gekommen war. Dieser Augenblick war genauso schlimm, wie an der Unfallstelle zu erfahren, dass unser Sohn nicht mehr da war. Diese Nachricht wollte sie nicht hören, und sagte hör auf damit, das stimmt nicht, er kommt nachher wieder. Sie wollte das nicht hören und in diesem Moment hat meine Tochter Tina angerufen und Ulrike sagte zu ihr, dass der Papa eben gekommen sei und gesagt hat, dass Dennis tot wäre und das nicht sein könne und sie glaube das nicht und hat den Hörer aufgelegt.

 

Ulrike wollte diese Nachricht nicht Wahrhaben und hat sich dagegen gewehrt, es war ein unerträglicher Zustand. Wenn ich in meinem Leben einmal machtlos war, dann war es diese Situation.

 

Mittlerweile haben es alle Mitarbeiter bei uns im Büro mitbekommen. Die Bestürzung war sehr groß, da ihn jeder kannte, aber keiner wusste wie man damit umgehen sollte. Ich habe mich sehr zusammen nehmen müssen, um Ulrike beizustehen zu können, die aber zu diesem Zeitpunkt völlig neben sich stand, was zu verstehen war, denn es war und ist ihr großer Liebling und das wird er für immer und ewig sein.

 

Wir haben dann alle Kraft gebündelt und haben uns auf den Weg gemacht, um nach Hause zu fahren. So richtig wussten wir beide nicht, wo wir eigentlich hin wollten. Ich habe mich noch bei den Notärzten bedankt, die vor dem Büro gewartet haben, für die einfühlsame Unterstützung, aber ein Eingreifen war dann nicht von Nöten gewesen. Auf dem Heimweg haben wir entschieden, dass wir zu meinem Schwager Alfred und meiner Schwägerin Gitta fahren, denn in unseren eigenen Wänden konnten wir uns alleine nicht aufhalten. Bei den beiden angekommen, kam die nächste Bestürzung, dass wir ihnen mitteilen mussten, was passiert war und dass unser Dennis nicht mehr unter uns ist. Daraufhin ist unsere Schwägerin in Ohnmacht gefallen, die sich aber dann nach kurzer Zeit wieder gefangen hatte.

 

Nach einer Weile ging die Tür auf und unsere Tochter Tina kam herein. In diesem Moment war alles was ich an Kraft gesammelt hatte wie weggeflogen und habe sie in den Arm genommen und wollte sie nie mehr loslassen. Es war unverantwortlich von mir, nicht daran zu denken, sie abholen zu lassen oder sie mit einem Taxi fahren zu lassen. Aber in dem Augenblick, als sie es von Ulrike am Telefon erfahren hatte, waren all meine Gedanken nur bei Ulrike und hatte Angst, was dort im Büro passieren würde.

Tina hat sich Vorwürfe gemacht, dass Sie ihrem Bruder Dennis es ermöglicht hat, das Motorrad zu kaufen. Es hat mich sehr viel Anstrengung gekostet, Tina von diesem Gedanken zu befreien. Denn, wenn Tina ihm nicht geholfen hätte, wären andere Personen in Frage gekommen, die Dennis hier unterstützt hätten.

 

Mein Schwager Dieter mit seiner Frau Ingrid sind dann noch gekommen, aber wir waren alle regungslos. Ich habe mich auf die Erde gelegt und wollte nur an Dennis denken und habe rings um mich nichts weiter mitbekommen.

 

Wir haben uns dann aufgerappelt und sind dann doch zu uns nach Hause gefahren, vor unserer Einfahrt stand ein Freund von Dennis und hat auf Ihn gewartet. Er fragte mich, ob ich wüsste, wo Dennis wäre und habe ihm dann erzählen müssen wo er ist. Diesen Anblick von diesem jungen Mann werde ich nie vergessen, als er hörte, dass Dennis tot war. Wir haben uns erst mal auf die Treppenstufen gesetzt und uns über Dennis unterhalten, er war so verstört, dass er gar nicht wusste wo er hin sollte oder wollte. Nach einer Weile hatte er sich wieder gefangen und ist dann weg, er wollte oder konnte nicht mit mir in das Haus gehen.

 

Ich bin dann hinein und wir haben alle im Wohnzimmer gesessen und keiner konnte etwas sagen. Es sind dann noch weitere Freunde und Bekannte von uns gekommen, um uns beizustehen. Es konnten aber alle nur fassungslos irgendwo herumstehen oder sitzen.

 

Es wurde dann nochmals ganz entsetzlich. Jenny, die Freundin von Dennis ist mit ihrer Mutter gekommen. Jenny ist ein wunderbares Mädchen und wir waren froh, dass unser Dennis sie als Freundin hatte.

 

Es war fast unerträglich zu sehen wie Jenny gelitten hat, es ist für mich unbeschreiblich, wie wir diesen Schmerz alle überstanden haben.

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© Harry Roos • 2005 - 2018 / Dennis Roos